Heimatbuch 2020

Zuerst noch ganz weit weg und nicht als Bedrohung empfunden, war er plötzlich da, ganz nah und um uns herum: SARS-CoV-2, ein Krankheitserreger, genannt «Corona». Auch in Meilen hat «Corona» Geschichte und Geschichten geschrie-ben. Naheliegend deshalb, dass wir uns entschieden haben, den vorher geplanten Schwerpunkt auf das nächste Jahr zu verschieben. So fand das Heimatbuch-Forum unter dem Titel «Wenn vieles stillsteht – Meilen in der Corona-Krise» statt.

Diesem Thema wird im vorliegenden Heimatbuch der nötige Raum gegeben. Einerseits der Aktualität wegen, andererseits, um damit ein Stück Meilemer Zeitgeschichte festzuhalten. Dies im Bewusstsein, dass zum Zeitpunkt der Druck-legung «Corona» uns immer noch fest im Griff hat.

Getreu dem redaktionellen Konzept, finden sich aber auch interessante Beiträge zur Dorfgeschichte, über kulturelles und künstlerisches Schaffen, Vereins-jubiläen, aber auch Nachrufe über verdiente MeilemerInnen. Nicht zu vergessen die Chronik, welche ereignisbestimmt festhält, was Meilen trotz Coronavirus noch bewegte.

Hans Isler, Präsident

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Schwerpunkt

"Wenn vieles still steht: Meilen in der Corona-Krise"

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie aus der Vogelperspektive zu schildern, ist relativ einfach. Der Fokus auf die Allgemeinheit und das Allgemeine blendet individuelle Schicksale aus. Aber die Reaktion auf die Corona-Pandemie und die von der Regierung angeordneten Schutzmassnahmen ist jeweils individuell. Für den Bankangestellten, der seinen Arbeitsplatz vom Büro nach Hause verlegen muss, fühlt sich die Pandemie ganz anders an als für die Inhaberin eines Coiffuresalons, die während Wochen nicht arbeiten darf. Der Primarlehrer, der seiner Klasse den Lernstoff nur noch im Fernunterricht vermitteln kann, sieht sich mit einer völlig anderen Situation konfrontiert als die Meilemerin , die sich in der Nachbarschaftshilfe engagiert.

Deshalb haben wir verschiedene Einwohnerinnen und Einwohner von Meilen gefragt, wie sie die Pandemie 2020 erlebt haben. Die Portraits sind kein abschliessendes Panoptikum. Aber sie geben einen guten Einblick, wie Menschen in Meilen des Jahres 2020 der schlimmsten Pandemie seit 100 Jahren begegnen.

Eine kommunale Zeitreise durch die Corona-Pandemie

Dr. Christoph Hiller,
Gemeindepräsident Meilen

Eltern zwischen Homeoffice
und Homeschooling

Familie Isler mit Klaus, Alexandra,
Ladina und Selina

"Stell dir vor, es ist Schule,
und keiner geht hin!"

Michael Stadler,
Lehrer Primarschule Allmend

"Normal"

Kate Brupbacher,
Gymnasiastin

Achterbahn der Gefühle

Reto Weber,
Landwirt Hof Stiftung Hohenegg

Nachbarschatshilfe?
Das machen wir!

Jessica Mor-Camenzind,
Nachbarschaftshelferin

"Ich bin kein Mensch, der sich Sorgen macht"

Ann Blättler,
Wirtin Alte Sonne

Die Konzertauftritte fehlen

Elea Nick,
Violinistin

In Regenpelerinen auf dem Coiffeurstuhl

Karin Sommerhalder,

Coiffuremeisterin Hairline

Auf der Gratwanderung zwischen Sicherheit und Freiheit

Alfreda Summermatter,
Pflegedienstleiterin AZP

Ein Spital im Ausnahmezustand

Béatrix Frey-Eigenmann, VR-Präsidentin
Dr. med. Stefan Metzker,
CEO
Spital Männedorf

panorama

"Als in Meilen die Fabrikschlote rauchten"

Jeannine Horni

Das 19. Jahrhundert war die Epoche der Industrialisierung und der Erfindungen. Auch in Meilen hielt die Moderne Einzug - allerdings mit ziemlicher Verspätung.

"Laharpes aventure de Meilen"

Peter Kummer

Der Waadtländer Frédéric-César de Laharpe, Politiker der helvetischen Republik, wollte 1815 in Meilen Ferien machen. Wollte...

Kultur

"Ich möchte nicht nach unten treten"

Kathrin Jeker

Olivier Samter, 1993 geboren und in Meilen aufgewachsen, arbeitet als Karikaturist, Illustrator, Filmemacher und Autor. Seit 2018 veröffentlicht er unter dem Titel "Samters Wochenschau" jede Woche eine Karikatur in der "Zürichsee-Zeitung". In einem Gespräch erzählt er über sein Leben und seine Beziehung zu Meilen.

Dorfleben

"Carte blanche: Ein schweizerdeutsches Essay"

Bernhard Bettermann

Meilen. Heimat. Für mich seit zwölf Jahren. Zudem ist die Schweiz, Zürich und Umgebung, seit 34 Jahren mein Dreh- und Angelpunkt. Davor war es Köln. In Zürich habe ich meinen Beruf erlernt, die ersten Schritte auf den Brettern, die nicht zwangsläufig die Welt bedeuten, getan.

"Wo Nagelbrett und Ballonwettbewerb immer noch Renner sind"

Andrea Baumann

Dieses Jahr ist es zwar aus sattsam bekannten Gründen abgesagt, aber ansonsten ist der Schülerspieltag jedes Jahr ein Highlight in der Veranstal-tungsagenda Obermeilens. Es ist ein Fest von allen für alle.

Jubiläen

"Vitaler den je: die Kantorei Meilen"

Andrea Baumann

In den 50 Jahren seit ihrer Geburt durchlebte die Kantorei Meilen eine wechselvolle Geschichte. Heute ist sie so vital wie in ihren Anfängen.

"25 Jahre Spitex in Meilen"

Fabienne Stahel

Am 12. Juni 1995 wurde der Spitex-Verein Meilen gegründet. Wie hat sich die Institution für spitalexterne Pflege in den 25 Jahren entwickelt? Ein Blick zurück und ein Gespräch mit zwei ehemaligen Spitex-Mitarbeiterinnen sowie mit einer, die weiterhin aktiv ist.

chronik

Politik, Aemter & Einwohner / Schule / Kirchen / Kultur / Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft / Sport und Vereine / Kunterbuntes - aufgespiesst /

Was Meilen trotz Corona in diesem Jahr bewegt hat, ist in der Chronik festgehalten.

Karin Aeschlimann: Zum 25. Mal hat sie als verantwortliche Redaktorin die Chronik betreut. Eine Leistung, die nicht nur wegen der zeitlichen Länge des Engagements, sondern auch wegen der hohen Qualität der nicht immer einfachen Arbeit ein zünftiges Lob, aber auch den herzlichen Dank sowohl des Vorstands als auch der Leserschaft verdient.

Nachrufe / in Gedenken an

"Wir werden George Brabetz stets in guter Erinnerung behalten".

Georges Brabetz hat von 2012 bis zu seinem Rücktritt als Vorstandsmitglied die Verantwortung für Auslieferung und Versand des Heimatbuchs getragen und war als Webmaster für den Aufbau und die Pflege der Homepage zuständig. In all den Jahren hat er sich mit grossem Veranwortungsbewusstsein seinem umfangreichen Pflichtenheft gewidmet und auch immer wieder Spezialaufgaben übernommen. Wer mit ihm zutun hatte, erlebte ihn als hilfsbereite und liebenswürdige Persönlichkeit.

Manchmal kann der Tod auch eine Erlösung sein, insbesondere dann, wenn - wie bei George - die letzten Lebensjahre von langen Klinikaufenthalten geprägt sind. Tröstlich zu wissen, dass George einen sanften Tod erlebte und er nun seinen Frieden zusammen mit seiner Aisha im Hundehimmel finden wird.

Ein grosses Dankeschön unseren Fördermitglieder

Anderegg Fred, Meilen; Bachmann Irma, Wolfhausen; Bättig Doris, Meilen; Baumann Peter, Meilen; Berghoff Margrith, Meilen; Bischoff Othmar Josef, Meilen; Bockhoff Eugen B., Meilen; Boller Thomas, Meilen; Bossert Heini, Meilen; Brennwald Marie-Louise, Feldmeilen; Ebner Max, Meilen; Edelbauer Bruno, Laax GR; Feldmann Thea, Meilen; Feldmann Heinz, Meilen; Gatti Michel, Meilen; Golay Pascal, Feldner Druck AG, Oetwil am See; Graf Wilfried, Meilen; Greb Hanspeter, Meilen; Grütter Rolf, Meilen; Gucker-Vontobel Helen, Meilen; Gurtner Anita, Meilen; Häsler-Murbach Hermann & Edith, Meilen; Hegglin Wittmer Martin & Barbara, Meilen; Hiller Christoph, Meilen; Hobein Günter , Feldmeilen; Hofmann Markus, Feldmeilen; Isler Hans, Feldmeilen; Leemann-von Allmen Margrith, Wengen; Manser Nelly, Meilen; Matter Thomas, Meilen; Mauthner Andreas, Feldmeilen; Meier Peter, Wald; Müller Laurent P., Meilen; Pfenninger Katrin, Küsnacht; Pfenninger Paul, St. Gallen; Rutz Paul A., Feldmeilen; Schaffner Emil, Meilen; Schlagenhauf Fritz, Meilen; Schlumpf Peter, Feldmeilen; Schneebeli Felix, Erlenbach; Schweizer Brigitte, 8706 Meilen; Spörri Richard, Meilen; Sprenger Paul & Iris, Meilen; Stoessel Kurt, Feldmeilen; Storni Candido, Meilen; Strasser Heinz W. , Feldmeilen; Wille Christine, Feldmeilen; Wille Ully, Feldmeilen; Zaugg Peter, Meilen

Besonders danken möchten wir der Stiftung Alfred und Margaretha Bolleter, welche uns mit einem namhaften Druckkostenbeitrag unterstützt.

Buchbesprechung 2020 "corona ad personam"

- oder wie Corona das Leben verändert hat.

Das Corona-Virus hat letztes Jahr das Leben praktisch aller Meilemerinnen und Meilemer verändert und beeinflusst. Das Heimatbuch Meilen 2020 dokumentiert den Wandel des Alltagslebens anhand von elf Porträts von der Gymnasiastin bis zur Pflegefachfrau.

«Oral history» nennt sich eine lange Zeit unterschätzte Disziplin der Geschichtswissenschaft. In dieser Disziplin schildern Zeitgenossen, wie sie ein geschichtliches Ereignis persönlich erlebt und erfahren haben. Das Heimatbuch Meilen stellt «Oral History» ins Zentrum der Ausgabe 2020. 11 Meilemerinnen und Meilemer erzählen, wie das Corona-Virus ihr Leben im vergangenen Jahr beeinflusst hat. Die Breite der Persönlichkeiten, die ihren Umgang mit dem Virus schildern, zeigt, dass Covid19 – wie das Virus in der Fachsprache heisst – zwar jede Meilemerin und jeden Meilemer hart getroffen hat, die Auswirkungen aber ebenso individuell waren, wie das Leben selbst. Eltern junger Kinder zeigen auf, wie sie Homeoffice, Fernunterricht und Familie parallel organisieren mussten, ein Primarlehrer, wie er von heute auf morgen eine neue Unterrichtsform erfinden musste. Die Inhaberin eines Coiffeursalons erläutert, wie einschneidend der Lockdown für ihr Gewerbe war und die Wirtin erzählt, weshalb sie trotz Corona zuversichtlich der Zukunft entgegensieht. Sieben weitere Porträts – vom Gemeindepräsidenten, der Pflegedienstleiterin, der Musikerin, der Spitalpräsidentin, einer Gymnasiastin, der Organisatorin von Nachbarschaftshilfe und von einem Landwirt – vervollständigen das Panoptikum von Meilemerinnen und Meilemern im Zeichen der Corona-Krise. Sie decken nicht alle Schicksale ab, aber machen in beeindruckender Vielfalt sichtbar, wie individuell Menschen ihr Leben trotz dem bedrohenden Virus gut organisierten.


Der Vielfalt die Treue halten

Meilen darf auch im Jahr 2020 nicht auf das Corona-Virus reduziert werden. Das macht auch das Heimatbuch Meilen nicht. Wie traditionell üblich beleuchtet es spannende Aspekte von Meilens Ortsgeschichte, seiner Kultur und seines Alltags. So blendet es diesmal in die Zeit zurück, als Fabriken das Ortsbild prägten und porträtiert mit Frédéric-César de Laharpe einen Politiker der Helvetischen Republik, der in Meilen Ferien machte. Der bekannte Schauspieler Bernhard Bettermann hat exklusiv für das Heimatbuch Meilen ein schweizerdeutsches Essay verfasst, das einen wunderbaren Einblick in unseren Alltag gibt und zwar gleichzeitig mit einem externen (deutschen) wie mit einem internen (schweizerischen) Blick, lebt Bernhard Bettermann doch seit vielen Jahren in der Schweiz. Der junge Meilener Karikaturist Olivier Samter erlaubt uns, seine Sicht auf die grossen und kleinen Dinge, welche die Welt bewegen, zu teilen. Zu den kleinen aber wichtigen Dingen gehört seit 1966 der Obermeilemer Schülerspieltag ohne den Meilen ausser im Corona-Jahr kaum mehr denkbar ist. Auch würdigt das Heimatbuch Meilen eine kulturelle Institution, die 2019 ihr 50 Jahr-Jubiläum feierte, nämlich die Kantorei Meilen. Schliesslich spannt das diesjährige Heimatbuch den Bogen quasi zurück zum Anfang. Die Spitex Meilen, respektive wie es heute richtig heisst die Spitex Zürichsee, feierte 2020 ihren 25. Geburtstag. Grössere Herausforderungen als sie das Jubiläumsjahr bescherte, lassen sich wohl kaum vorstellen.


Die Lektüre, die oft hinten beginnt

Und sonst? Sonst werden vermutlich auch dieses Jahr viele Meilemerinnen und Meilemer das Heimatbuch von hinten nach vorne lesen, beginnend bei der umfangreichen Chronik, den Nachrufen auf verdiente, leider verstorbene Persönlichkeiten und eindrückliche Zahlen und Fakten. Ja – im Zentrum des Heimatbuches Meilen 2020 steht die Corona-Krise. Aber das Heimatbuch ist auch dieses Jahr viel mehr – nämlich ein Abbild des vielfältigen Lebens unserer Gemeinde.

© Vereinigung Heimatbuch Meilen